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Kreiszeitung: AB IN DEN SCHRANK

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Komik entsteht, weil immer wieder einzelne Figuren etwas Entscheidendes nicht wissen. Castro hat das Notlügengeflecht gekonnt konstruiert. Das Publikum muss die Ausgangslage als gegeben akzeptieren, und die Darsteller müssen alles tun, um diese Bereitschaft des Publikums aufrechtzuerhalten. Im Boulevardtheater Bremen geht diese Rechnung auf.

„Das Notlügengeflecht

Der Schrank, eines der klassischen Komödienverstecke, steht hier gleich im Titel. Das Offensichtliche ist ja oft das beste Versteck. Mit der Farce „Ab in den Schrank“ von Sébastien Castro in der Inszenierung von Marc Gelhart geht das Boulevardtheater Bremen (Tabakquartier, Woltmershausen) in seine mittlerweile sechste Spielzeit.

Es ist das klassische Komödienspiel von Verwirrung und Verwechslung, das nur funktioniert, wenn Timing und Präzision stimmen und die Beteiligten nicht überdrehen. Kurz davor genügt vollkommen. Zwei Wohnungen, ein Einbauschrank und damit eine ungewollte, aber höchst intensiv genutzte Verbindung: Diese Konstellation bildet hier den Ausgangspunkt. Notlügen, Spontaneität und Erfindungsgabe sind gefragt. Und die Gabe, den Überblick zu behalten. Komik entsteht, weil immer wieder einzelne Figuren etwas Entscheidendes nicht wissen. Castro hat das Notlügengeflecht gekonnt konstruiert.

Wie realistisch das alles ist, darum geht es hier nicht. Glaubwürdigkeit ist dennoch ein Thema. Wirkt das, was hier geschieht, innerhalb des vorgegebenen Komödienkontexts folgerichtig? Wenn nicht, dann funktioniert die ganze Sache nicht. Das Publikum muss die Ausgangslage als gegeben akzeptieren, und die Darsteller müssen alles tun, um diese Bereitschaft des Publikums aufrechtzuerhalten. Klingt kompliziert? Komödien sind kompliziert, man darf es ihnen nur nicht anmerken. Das ist die Kunst.

Im Boulevardtheater Bremen geht diese Rechnung – ganz besonders in der Phase vor der Pause – auf, weil a) der Text eben wirklich gut ist und b) Regisseur Gelhart sein Ensemble mit sicherer Hand durch das Nachbarschafts- und Beziehungschaos führt. Soehnle und Linke als zentrale Figuren machen ihre Sache gut. Sie gehen in die Vollen, Youssouf mit einer gewissen Töffeligkeit, Martin mit zuweilen sichtlich angestrengt zurückgehaltener Ungeduld. Aber beide dosieren ihren Einsatz auch, lassen mal eine Pointe nur im Nebensatz kurz aufscheinen, statt alles immer gleichermaßen voll auszureizen. Das tut dem Abend gut. Angenehm auch, dass der in diesem Genre wohl unvermeidliche Klischeefaktor dieses Mal im Rahmen gehalten wird. Nacktheit und Alkohol spielen keine Hauptrollen. Und die Figuren haben bei aller Zuspitzung durchaus ihre Nuancen.

Einen ganz wesentlichen Anteil am Gelingen des Verwechslungsspiels hat zudem das Bühnenbild von Lisa Dittus, das auf raffinierte Weise Einblicke und Laufwege ermöglicht, ohne einfach nur vordergründig auf das Schrank-Motiv zu setzen. Hier gilt das Gleiche wie für das bereits erwähnte Notlügengeflecht: sehr gut konstruiert!“

(Kreiszeitung, 19.09.26)