„Unruhe im „Männerparadies“
„Männer brauchen viel Zärtlichkeit, oh, Männer sind so verletzlich.“ Herbert Grönemeyers Worte aus dem Jahr 1984 haben die Zeiten überdauert, sie wirken immer noch irgendwie gültig und zutreffend. „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Wer weiß das schon so genau in Zeiten, in denen täglich in den Nachrichten zu hören ist, was Männer so alles anrichten. . . Um diese Männer geht es hier allerdings nicht, sondern eher um, nun ja, Männer von nebenan. Große Erfahrung mit diesen Männern – insbesondere mit deren Schrullen, Macken und Eigenheiten – hat man am Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier (Woltmershausen). So viel Erfahrung, dass Männerstücke praktisch ihren festen Platz im Spielplan haben.
Jetzt hatte wieder eines davon Premiere: „Männerparadies“, geschrieben von Frank Pinkus (1959 bis 2021) und Intendant Kay Kruppa, der das Stück auch inszeniert und mitspielt (als Zahnarzt Kurt). Mit ihm auf der Bühne: Joachim Börker (Gourmetmagazinautor Richard), Marc Gelhart (Kosmetikvertreter Karsten), Marco Linke (Fitnesstrainer Axel) und Marcus Rudolph (Schulleiter Dieter, Axels Vater). Männer ähnlicher Generationen, ein eingespieltes Ensemble, eine Wohlfühlbesetzung, die weite Teile des männlichen Teils im Publikum in gewisser Weise spiegelt.
Doch was bitte ist das eigentlich genau, ein „Männerparadies“? Für Dieter, Kurt, Karsten und Richard ist es die Wohngemeinschaft, in der sie seit einiger Zeit leben – von Lisa Dittus in geschmackvolle Grün- und Holztöne getaucht. Alle vier Bewohner haben so ihre Erfahrungen mit Beziehungen und Ehen gemacht, nun sind sie geschieden oder verwitwet – und in der Gemeinschaft des „Männerparadieses“ zur Ruhe gekommen. Im Paradies gelten klare Regeln: Man(n) erscheint nicht unbekleidet im Gemeinschaftsraum (unterhält sich aber oft über Methoden der Intimenthaarung). Man(n) bekommt keinen Frauenbesuch (heimlich aber schon). Nun, die Paradiesbewohner haben gelernt, mit den Eigenheiten der jeweils anderen zu leben, sei es die Belehrungsneigung des einen oder die etwas unglückliche Feinschmeckerleidenschaft des anderen. Das Spiel mit Klischees, das Grönemeyer karikiert hat, ist ein integraler Teil des Stücks. Beispiel: „Männer sind schon als Baby blau“, heißt es bei Grönemeyer. Kurt ist auch als Erwachsener oft blau. Kruppa spielt das sehr gut, der Betrunkene wirkt bei ihm glaubwürdig und liebenswert, nicht peinlich. Beim Publikum kommt das an, Kruppa bekommt viel Applaus dafür.
Wein hin, Cognac her: „Männerparadies“ wäre keine Komödie, wenn nicht eine Bedrohung über das Paradies hereinbräche. Die Bedrohung erscheint hier eines Tages in Gestalt von Axel, der nach dem Scheitern seiner Ehe einzieht und das fein austarierte Gleichgewicht der Gemeinschaft gefährdet, jung und von sich überzeugt, wie er ist. Als Fitnesstrainer stachelt er alle zum „Power-Zumba“ an. Die Männer machen sich dabei zum Affen, ausgerechnet der auf Ausdauersport fixierte Axel als Vortänzer am meisten. Und weil Männer, wie Grönemeyer es ja auch schon wusste, so verletzlich sind, kommt es zum Streit im Paradies. Schließlich sitzt Dieter allein zu Haus. Doch keine Sorge, am (umjubelten) Ende wird alles wieder gut. Männer eben."
