"Provokante Namenswahl sorgt für Lacher
Es geht doch nichts über einen zünftigen Familienkrach, und wenn die Dialoge so hübsch gepfeffert ausfallen wie in der Gesellschaftskomödie "Der Vorname" der Franzosen Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, ist der Zwist in der guten Stube doppelt reizvoll. Entsprechend lief das Stück seit seinem Erscheinen 2010 auf vielen deutschen Bühnen, Sönke Wortmanns Verfilmung von 2018 hat es noch populärer gemacht.
Auch das Boulevardtheater Bremen segelt mit der Inszenierung seines Intendanten Kay Kruppa voll ins Glück. Nach knapp zwei Stunden applaudierte das bestens unterhaltene Premierenpublikum am Donnerstag stehend.
Der Trick des Stücks besteht darin, dass über dem scheinbaren Skandal um einen Vornamen grundsätzliche Fragen und tiefere Wahrheiten hochkochen: Thomas’ Narzissmus, Michaels Geiz, die Rollen der Frauen.
Qualm in der Küche gibt es in diesem Stück vor allem verbal. Entsprechend kleidet Lisa Dittus die breite Bühne praktikabel mit einem gediegenen, offenen Wohnzimmer aus, das zwischen dem Muff altdeutscher Regalschränke, braun wie Michaels Cordhose, samt Bertelsmann-Lexikon und moderner freier Sofaecke und Fotokunst vermittelt. Schaukelten sich die Konflikte im Film erst allmählich hoch, so schlägt Regisseur Kay Kruppa, der auch den Michael spielt, schnell einen erregteren Ton an.
Fazit: Sinn für gut gesetzte Pointen haben sie eh alle, man schaut dem Bröckeln der Fassaden – wer muss sich jetzt bei wem entschuldigen? – mit Genuss zu. Und ist dankbar für den eigenen braven Vornamen."