"Wenn der Vater plötzlich Cheerleader ist
Im Film "Freaky Friday" (und einer jüngst erschienenen Fortsetzung) tauschen Mutter und Tochter die Rollen, in "Big" steckt der zwölfjährige Josh plötzlich im Körper eines Erwachsenen, und in der Neuverfilmung von "Jumanji" werden ganz normale Menschen zu Figuren in einem Spiel mitten im Dschungel. Kurzum: Im Film sind Körpertausch-Geschichten ein beliebtes Subgenre. Warum also nicht auch auf der Theaterbühne, dachte sich das Team des Boulevardtheaters Bremen und spielt ab sofort Christian Kühns Bodyswitch-Komödie "(K)ein guter Tausch".
Hier sind es Tom (Markus Weise) und seine Teenager-Tochter Kim (Anicia Stehmeier), die nach einem heftigen Streit plötzlich im Körper des anderen aufwachen. Schuld ist ein mysteriöser Donnerstein, den Kims Freundin Jess (Johanna Kruppa) angeschleppt hat. Kims Mutter starb vor fünf Jahren, seitdem stürzt sich Tom in die Arbeit und hat kaum Zeit für seine Tochter. Keiner der beiden interessiert sich wirklich für die Probleme des anderen, beide fühlen sich unverstanden.
Irgendwie hat Theaterintendant Kay Kruppa, der auch für diese Inszenierung verantwortlich zeichnet, ein Faible für Stücke, die in Wohnzimmern spielen. Für Bühnenbildnerin Lisa Dittus eine Herausforderung, sich trotz des sich wiederholenden Settings immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen. Doch es ist ihr auch dieses Mal gelungen, mit einem Mix aus Retro- und Industrialstyle, hypnotisierender Mustertapete, warmen Holzpaneelen und kleinen Details eine heimelige Atmosphäre zu schaffen.
Insgesamt ist "(K)ein guter Tausch" an einigen Stellen etwas überdrehter und alberner, als es hätte sein müssen, unterhaltsam und kurzweilig ist die Premiere aber dennoch. Markus Weise – ein Gewinn für jedes Stück – brilliert als komplett überforderte Teenagertochter im Körper ihres Vaters, doch auch Anicia Stehmeier gelingt der Switch vom Mädchen zum etwas spießigen Mann, der sich aus den Augen seiner Tochter zum ersten Mal selbst sieht.
Für gute Laune auf der Bühne sorgt auch Michaela Schaffrath. Sie ist die beschwipste gute Seele der Familie und auch, wenn sie ihre eigentliche Arbeit überhaupt nicht ausübt, ist sie eine wichtige Seelsorgerin für alle Beteiligten.
Das Premierenpublikum im gut gefüllten Boulevardtheater belohnt das Ensemble am Donnerstag mit langem Applaus und bekommt als Dank noch eine kleine Cheerleader-Einlage geboten."
