"Das Boulevardtheater Bremen nimmt Besucher mit ins "Männerparadies"
Karsten, Kurt, Dieter, Axel und Richard sind zwar grundverschieden, haben aber eine Sache gemeinsam: Alle sind verwitwet oder haben eine gescheiterte Ehe oder Beziehung hinter sich, alle sind einsam. Deswegen hat Dieter die vier anderen Männer in seinem großen alten Bauernhaus aufgenommen. Hier wohnen sie in ihrem ganz persönlichen "Männerparadies", mit ihren ganz persönlichen Regeln. Ob das wirklich so paradiesisch ist, können die Zuschauer ab sofort im Boulevardtheater Bremen herausfinden, wo das Stück von Kay Kruppa und Frank Pinkus (1959–2021) am Donnerstag seine Bremen-Premiere feierte.
Der regelliebende Schulleiter Dieter (Marcus Rudolph), Zahnarzt Kurt (Kay Kruppa), "Mona Q"-Hautpflege-Verkäufer Karsten (Marc Gelhart) und Richard (Joachim Börker), der für ein Feinschmecker-Magazin schreibt und dauernd fragwürdige Gerichte aus aller Herren Länder an seinen Mitbewohnern testet, haben sich in ihrer Männer-WG gut arrangiert. Doch dann zieht Dieters Sohn Axel (Marco Linke) mit ein und bringt das Fundament der vier Freunde ein wenig ins Wanken. Vor allem, weil er sich nicht an die Regeln hält und den anderen Männern unverblümt ihre Schwächen und ersten optischen Alterserscheinungen vorhält. Dadurch bekommt vor allem Kurts Ego, das bisher recht groß war, einen ordentlichen Knacks.
Theaterkomödien, die sich um Geschlechterthemen drehen, laufen leicht Gefahr, sich zu sehr in Klischees und Vorurteilen zu wälzen und so ins Lächerliche abzurutschen. "Männerparadies" allerdings beweist, dass der Spagat zwischen Witz und Albereien auf der einen Seite sowie einem gewissen Level an Feinsinn und Bodenständigkeit auf der anderen Seite durchaus gelingen kann. Sicher wird sich der eine oder andere Zuschauer in den fünf facettenreichen Figuren und ihren liebenswerten Macken wiedererkennen. "Männerparadies" ist ein Stück über Einsamkeit, Freundschaft und die kleinen Tücken des Älterwerdens, bei dem es zwischen Runzeln, Reibereien und Rotwein am Ende zum Glück auch ein Happy End gibt. Müsste man dieses Stück auf eine zentrale Botschaft herunterbrechen, dann wäre es wohl diese: Niemand ist perfekt und das ist auch gut so – weder diese fünf Freunde noch Weihnachtsengel Sophie."
